Am 21. September 2026 ist im Fachjournal The Lancet eine globale Sammlung zu Kunst und Gesundheit erschienen. Erarbeitet wurde sie vom Jameel Arts & Health Lab gemeinsam mit einem internationalen Forschungsteam, unter anderem mit Nisha Sajnani (New York University), Daisy Fancourt (University College London) und Agustín Ibáñez (Trinity College Dublin). Die Kernaussage ist bemerkenswert deutlich: Künstlerisches Engagement soll als fester Bestandteil von Gesundheit anerkannt werden – auf einer Stufe mit Schlaf, Ernährung und Bewegung.

Das Fundament dieser Forderung ist keine einzelne Studie, sondern die Auswertung von rund 149 systematischen Übersichtsarbeiten und Metaanalysen zu nicht übertragbaren Erkrankungen. Die Befunde reichen von kleinen bis mittleren Verbesserungen bei Angst, Depression und Lebensqualität über Tanzangebote, die bei älteren Menschen Gleichgewicht und Beinkraft ähnlich wirksam trainieren wie klassische Bewegungsprogramme, bis zu Musik im Umfeld von Operationen, wo weniger Schmerzmittel und Beruhigungsmittel nötig waren.

Sunlit art studio with abstract painting, brushes, paints, and framed artwork

Warum das mehr ist als eine schöne Schlagzeile

Wer kunsttherapeutisch arbeitet, kennt die Frage: „Ist das denn wirklich wirksam?“ Bisher war die Antwort eine Sammlung einzelner Studien und viel Erfahrungswissen. Jetzt steht ein anderes Gewicht dahinter. Wenn das renommierteste Medizinjournal der Welt Künste als Gesundheitsressource bezeichnet, verändert das die Gespräche in Kliniken, in Behörden, bei Förderanträgen und in der Berufspolitik.

Bemerkenswert ist dabei die Richtung der Argumentation. Es geht nicht darum, Kunst zur Medizin zu erklären, sondern darum, ihr einen festen Platz in der Gesundheitsversorgung zu geben – ergänzend, niederschwellig und für viele Menschen zugänglich. Ein zweites Papier der Sammlung liefert dazu konkrete Wege für Praxis, Forschung und Politik.

Was das für die Praxis bedeutet

Drei Gedanken nehmen wir aus der Lektüre mit:

  • Das Gestalten selbst ist der Wirkfaktor, nicht das schöne Ergebnis. Künstlerisches Talent ist keine Voraussetzung.
  • Die Rahmung entscheidet mit. Dieselbe kreative Tätigkeit wirkt deutlich anders, wenn sie fachlich begleitet und reflektiert wird.
  • Regelmäßigkeit zählt mehr als Intensität – so wie bei Bewegung und Schlaf auch.

Kunst ersetzt keine Therapie, wo sie nötig ist. Aber sie gehört, das ist nun gut belegt, zu dem, was Menschen gesund hält. In unseren Lehrgängen arbeiten wir seit Jahren genau an dieser Schnittstelle zwischen kreativem Ausdruck und psychosozialer Begleitung.

Zu den Originalarbeiten: The arts as a global health resource: key priorities for future research und Developing roadmaps for advancing practice, research, and policy in the arts and health.


Kunst als Gesundheitsressource – fachlich fundiert begleiten lernen
Unser Lehrgang Analytische Psychologie nach C. G. Jung dauert acht Monate und verbindet zwölf Online-Einheiten mit begleitetem Selbststudium, Gruppenselbsterfahrung, Lehrtherapie, Peergroup-Arbeit und einem Traum- und Zeichentagebuch. Inhaltlich gehen wir durch Persona und Selbst, Biografie, Licht und Schatten, Archetypen, Märchen, Mandala, Träume und Spiritualität. Er ist Teil des Diplomwegs Kunsttherapie und einzeln buchbar. Der nächste Start ist für 2027 geplant – Termine geben wir in der IKL-Insel bekannt.
Curriculum und Termine in der IKL-Insel · Info-Talk am 12. November, 18 Uhr

 

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